19.05.2008 – Oskar
Lafontaine
Schere
zwischen Arm und Reich ist eine Schande für Deutschland
„Die immer weiter auseinander
klaffende Schere zwischen Arm und Reich ist eine Schande für
Deutschland“, kommentiert Oskar Lafontaine die Ergebnisse
des Armuts- und Reichtumsberichts, dessen Entwurf heute von
Arbeits- und Sozialminister Scholz vorgestellt wurde. „Dass
jeder Achte arm ist und jeder Vierte von Armut bedroht, ist
mit dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes unvereinbar.
Hier wird fortgesetzter Verfassungsbruch begangen. Deshalb
muss die Richtung der deutschen Politik grundlegend geändert
werden.“ Der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE weiter:
„Wer Armut stoppen will, muss den Fall der Lohnquote
aufhalten und den gesetzlichen Mindestlohn einführen. Von
2000 bis 2007 ist der Anteil der Löhne am Volkseinkommen von
72 auf 64 Prozent gefallen – das beschreibt das Versagen der
Politik, die mit Hartz IV den Druck auf die Löhne soweit
erhöht hat, dass diese in eine beispiellose Rutschbahn nach
unten geraten sind. Nur mit einem gesetzlichen Mindestlohn
nicht unter 8,44 Euro wie in Frankreich und einer Politik,
die Hartz IV überwindet und Arbeitnehmer- und
Gewerkschaftsrechte stärkt, wird die Lohnquote wieder
steigen. Mehr Brutto für mehr Netto ist die Devise.
Hätten die Löhne heute einen Anteil am Volkseinkommen wie im
Jahre 2000, hätten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
135 Milliarden Euro mehr auf dem Lohnzettel. Und mit einer
gerechten Steuerpolitik, die Mittelstandsbauch und kalte
Progression beseitigt, die Pendlerpauschale wieder einführt
und den Grundfreibetrag erhöht, auch entsprechend mehr in
der Tasche.
Im Gegensatz zu anderen Parteien hat DIE LINKE auch
Finanzierungsvorschläge für ihre Forderungen gemacht.
Angesichts eines Börsenumsatzes von 7 Billionen Euro im
vergangenen Jahr würde allein eine Börsenumsatzsteuer von
0,3 Prozent – jener Anteil, den heute die Banken bei
Börsentransaktionen kassieren – eine Steuermehreinnahme von
21 Milliarden bringen. Wenn dazu noch eine Vermögensteuer im
international üblichen Rahmen, eine angemessene Steuer auf
große Erbschaften und ein Spitzensteuersatz kämen, der
diesen Namen auch verdient, wäre eine Politik machbar, die
den Sozialstaat neu begründet.
DIE LINKE würde eine Wiedereinführung der Vermögensteuer
sofort unterstützen und ihr im Bundestag zur Mehrheit
verhelfen. Die SPD, die in zehn Jahren Regierungszeit in
jedem Frühjahr und Herbst von der Vermögensteuer geredet
hat, muss nun endlich Taten folgen lassen.“