Große Koalition bewegt sich beim Kindergeld auf LINKE zu
Noch immer streiten CDU und SPD darüber, das Kindergeld zu erhöhen. Experten verweisen darauf, dass das Kindergeld aus rechtlichen Gründen steigen müsse, um das Existenzminimum zu gewährleisten. Nach langem Zögern ist nun offensichtlich auch die SPD bereit, das Kindergeld anzuheben.
Scharfe Kritik an der
Blockadehaltung der SPD bei der Erhöhung des Kindergelds übt der Vizechef der
Fraktion DIE LINKE, Klaus Ernst:
"Die SPD tut gerade so, als wäre das Kindergeld kein Anspruch der Eltern,
sondern ein Gnadenerweis des SPD-Parteivorstands. Beck und Genossen betreiben
angekündigten Rechtsbruch. Wenn das Existenzminimum von Kindern steigt, muss
auch das Kindergeld steigen. Das haben Bundestag und Bundesverfassungsgericht
unmissverständlich festgelegt. Wem es ernst ist mit der Bekämpfung der
Kinderarmut, der muss das Kindergeld sofort anheben.
Seit Jahren hat es keine Erhöhung des Kindergelds mehr gegeben. Eine Steigerung
des Kindergelds auf 200 Euro wäre deshalb als Sofortmaßnahme angemessen. Das
dafür nötige Geld ist da, wenn die SPD und Union endlich den Mut zu einer
gerechten Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen aufbringen."
Kinderarmut in Deutschland – Eine
soziale Herausforderung verlangt nach Antworten
Kinderarmut in der Bundesrepublik hat viele Seiten. Sie manifestiert sich als
Mangel an Bildung, Gesundheit, Mobilität, Freizeitgestaltungsmöglichkeiten,
Kultur, ja sogar an gesunder Ernährung. Das verfügbare Einkommen ist dabei der
entscheidende Faktor. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts beschleunigt
sich der Anstieg der Kinderarmut. Jedes vierte Kind unter 5 Jahren lebt nach den
Kriterien der EU in relativer Armut. Etwa 1,7 Millionen Kinder befinden sich im
Bezug von Sozialgeld und leben damit auf einem Einkommensniveau, das sie von
einer angemessenen sozialen und gesellschaftlichen Teilhabe ausschließt.
Das Armutsrisiko für Kinder ist dann noch höher, wenn sie in Ostdeutschland
geboren werden, Eltern mit Migrationshintergrund haben oder bei einem allein
erziehenden Elternteil aufwachsen. Kinderarmut ist eine der sozialen
Herausforderungen des Jahrzehnts. Die bisherigen sozialstaatlichen Antworten
sind alles andere als ausreichend. Insbesondere Kindergeld, Kinderfreibetrag und
Kinderzuschlag sind in der gegenwärtigen Form als Leistungssystem zur
Verhinderung von Kinderarmut völlig ungeeignet und dringend reformbedürftig.
Die Bedarfsgemeinschaft ist in ihrer derzeitigen Ausgestaltung eine
sozialpolitische Fehlkonstruktion, weil sie dem Anspruch, das Existenzminimum
von Kindern eigenständig und unabhängig vom Familieneinkommen abzusichern, nicht
gerecht wird und darüber hinaus ignoriert, dass Kinder eine eigenständige
Bevölkerungsgruppe mit einem eigenständigen Anspruch auf einen Anteil an den
gesellschaftlichen Ressourcen sind. Die Antwort auf die Kinderarmut kann aber
nicht der weitere Abbau sondern muss ein Ausbau des Sozialstaats sein.
DIE LINKE. fordert deshalb die Einführung einer individuellen und
bedarfsorientierten Kindergrundsicherung als eigenständiges soziales
Sicherungssystem für alle in der Bundesrepublik lebenden Kinder. In einem ersten
Schritt müssen mit Hilfe der Instrumente Kindergeld und Kinderzuschlag alle
Kinder aus dem Sozialgeldbezug herausgeholt werden. Kinder unter 18 Jahren sind
nicht mehr als Teil von Bedarfsgemeinschaften für den Bezug von Regelleistungen
nach dem SGB II zu behandeln. Der Kinderzuschlag wird ergänzend zum Kindergeld
zu einer ergänzenden Leistung für Kinder von Eltern mit geringen Einkommen und
Kinder von EmpfängerInnen von ALG II oder Sozialhilfe ausgebaut, der ihnen, in
Abhängigkeit von der Höhe des Haushaltseinkommens den Zugang zu ihrem
soziokulturellen Existenzminimum in Höhe von 420 Euro garantiert.