Presseerklärung zur Gesundheitsreform
20. Juni 2006
WASG: Gesundheitsreform unsozial
Wertschöpfungsabgabe und Nonprofitunternehmen gefordert
Am vergangenen Dienstag den 13. Juni 2006 fand in der Gaststätte Kronenstuben in
Ludwigsburg eine öffentliche Mitgliederversammlung der Partei "Arbeit & soziale
Gerechtigkeit - Die Wahlalternative" (WASG) statt. In der gut besuchten
Veranstaltung sprach der alternierende Vorsitzende des Bezirksrates der AOK
Bezirksverwaltung Ludwigsburg-Bietigheim, Werner Hillenbrand zum aktuellen
Thema, Gesundheitsreform.
Als Einstieg ging der Referent auf die ständige Forderung nach Wettbewerb im
Gesundheitswesen ein. Eine Krankenversicherung kann nicht mit einer KFZ- oder
Haftpflicht-Versicherung verglichen werden. Der Wettbewerb führt eher zu
Leistungsreduzierung als zu geringeren Beiträgen. Deshalb ist es problematisch
Gesundheitsleistungen mit Gewinnorientierung anzubieten.
Die bis jetzt in der Großen Koalition diskutierten Modelle zur Gesundheitsreform
können die eigentlichen Probleme des Gesundheitswesens nicht lösen. Das Problem
der Sozialversicherungssysteme ist die Einnahmeseite. Bedingt durch die hohe
Arbeitslosigkeit und die Belastung durch gesetzgeberische Maßnahmen, gehen die
Einnahmen der gesetzlichen Krankenkasse ständig zurück. "Das eigentliche Problem
des Gesundheitswesen ist die Koppelung der Beitragseinnahmen an den Faktor
Arbeit. Deshalb fordert die WASG, neben Reduzierung der Arbeitslosenzahlen und
steigende Einkommen, eine Wertschöpfungsabgabe. Dies würde auch die
Kleinbetriebe, wie das Handwerk und den Dienstleistungssektor entlasten," so
Werner Hillenbrand.
Die Belastungen für die in der gesetzlichen Krankenkasse versicherten Bürger
wird deutlich zunehmen. Gleichzeitig soll die Belastung für Unternehmen
reduziert werden. Die Umverteilung von unten nach oben setzt sich fort.
Besonders die großen Solidarkassen wie die AOK, werden durch die geplante
Festschreibung des Unternehmensbeitrag und die evtl. notwendige Kopfpauschale,
weiter belastet.
Die Festlegung einer Kopfpauschale belastet Versicherte mit geringem Einkommen
besonders unsozial.
Das System der solidarischen Finanzierung wird zerschlagen. Die Kosten des
medizinischen Fortschritts gehen in Zukunft allein zu Lasten der Versicherten.
Mit dem Fondmodell wird ein bürokratischen Monster mit geringer Effizienz
entstehen.
Das bis heute erfolgreiche System der Inkassostelle Krankenkasse wird
zerschlagen und tausende Arbeitsplätze vernichtet. Bei den großen Solidarkassen
wird die notwendige Kopfpauschale zu einem zusätzlichen bürokratischen Aufwand
führen.
In der anschließenden Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass die
Beitragserhebung auf eine andere Basis wie z.B. der Wertschöpfung umgestellt und
das gesamte Gesundheitssystem in Nonprofit-Unternehmen umgewandelt werden muss.